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FAQ:

1. Benötigen alle Stahl- und Aluminiumtragkonstruktionen ab dem 1.7.2012 ein CE-Zeichen oder gibt es Ausnahmen?

Im Newsletter 03/2012 des Deutschen Instituts für Bautechnik sind die Auswirkungen, die sich aufgrund der Verlängerung der Koexistenzperiode von EN 1090-1 und den betroffenen nationalen technischen Regeln ergeben umfassend beschrieben. Die Koexistenzperiode wurde bis 30.6.2014 verlängert. Dies bedeutet allerdings keine Aufhebung der EN 1090, sie gilt auch jetzt schon und es ist dem Auftraggeber unbenommen, eine Ausführung nach EN 1090 zu verlangen.

Lediglich die Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle durch eine akkreditierte und notifizierte Stelle und die CE-Kennzeichnung sind ab 1.7.2013 gesetzlich vorgeschrieben.

Es muss betont werden, dass die Ausführungsnorm EN 1090-2 und damit einhergehend die EN ISO 3834, die Anforderungen an das Personal, an die Konstruktionsmaterialien, an die Bauteilspezifikation, an die Schraubverbindungen, an den Korrosionsschutz, die vorgeschriebenen Prüfungen etc. bereits seit der Veröffentlichung der Norm (Juli 2009) gelten. Dies gilt auch für den privaten Bereich.

2. Welche Anforderungen muss der Hersteller erfüllen?

Für den Hersteller ergeben sich die Anforderungen an die Fertigung, die Qualitätssicherung, den Prüf- und Dokumentationsaufwand aus der festgelegten Ausführungsklasse (EXC).

Dazu gehört die Bauteilspezifikation vor Fertigungsbeginn, eine Fertigungssplanung, die Rückverfolgbarkeit der eingesetzten Werkstoffe, geprüfte Schweißer die nach Schweißanweisungen arbeiten, eine Schweißaufsicht, 100% Sichtprüfung der Schweißnähte, zerstörungsfreie Schweißnahtprüfung (ab EXC2), Maß- und Toleranzkontrolle, die Bauteilkennzeichnung und die Dokumentation der durchgeführten Kontrollen/Prüfungen sowie ggf. aufgetretener Abweichungen oder Reparaturen. Ggf. müssen Prüfungen zum geforderten Korrosionsschutz (z.B. Beschichtungsprotokoll) und über die Montagekontrolle von HV-Verschraubungen nachgewiesen werden.

3. Was sind die Voraussetzungen für die CE-Kennzeichnung?

  • Der Hersteller muss von einer Zertifizierungsstelle gemäß EN 1090-1 zertifiziert sein.
  • Der Hersteller muss die Erstprüfung durchgeführt haben.
  • Die werkseigene Produktionskontrolle muss die Konformität mit der EN1090 ergeben haben.

4. Worin liegen die Unterschiede bei den einzelnen EXC-Klassen?

  • im Herstellungsaufwand
  • Dokumentations- und Prüfaufwand
  • in der geforderten Personalqualifikation (Schweißaufsicht, Prüfpersonal)

5. Worauf muss man als Einkäufer bzw. ausschreibende Stelle achten?

Mit höherer Ausführungsklasse (EXC) steigt der Aufwand der Hersteller und somit deren Kosten.
Im Interesse der Auftraggeber sollte durch den Einkauf bzw. bei der Ausschreibung stets die richtige Klasse gefordert werden.

6. Gibt es eine beispielhafte Zuordnung von Tragkonstruktionen zu Ausführungsklassen?

Ja, dazu gibt es vom DIBt eine Mitteilung. Man unterscheidet folgende Ausführungsklassen die
(Auszug):

  • EXC1: In die Klasse EXC1 fallen tragende Bauteile aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S275, die vorwiegend ruhend beansprucht werden. Ebenso Treppen/Geländer in Wohngebäuden, landwirtschaftliche Gebäude (z.B. Scheunen), Wintergärten an Wohngebäuden, Einfamilienhäuser mit bis zu 4 Geschossen oder andere vergleichbare tragende Bauteile.
  • EXC2: In die Klasse EXC2 fallen alle tragenden Bauteile aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S700,sofern sie nicht in eine der drei anderen Klassen eingeordnet werden können.
  • EXC3 In die Klasse EXC3 fallen tragende Bauteile aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S700, die vorwiegend ruhend und nicht vorwiegend ruhend beansprucht werden und nicht der Klasse EXC1 zugeordnet werden können.
  • EXC4: In die Klasse EXC4 fallen alle tragenden Bauteile der Klasse EXC3 mit extremen Versagensfolgen für Mensch und Umwelt.

Für die Ausführung von Aluminiumtragwerken werden folgende Ausführungsklassen genannt (Auszug):

  • EXC1: In die Klasse EXC1 fallen tragende Bauteile aus Aluminiumlegierungen, die vorwiegend ruhend beansprucht werden. Ebenso Treppen/Geländer in Wohngebäuden, landwirtschaftliche Gebäude (z.B. Scheunen), Wintergärten an Wohngebäuden, Einfamilienhäuser mit bis zu 4 Geschossen oder andere vergleichbare tragende Bauteile.
  • EXC2: In die Klasse EXC2 fallen alle tragenden Bauteile aus Aluminiumlegierungen, sofern sie nicht in eine der drei anderen Klassen eingeordnet werden können.
  • EXC3: In die Klasse EXC3 fallen alle tragenden Bauteile aus Aluminiumlegierungen, die vorwiegend ruhend und nicht vorwiegend ruhend beansprucht werden und nicht der Klasse EXC1 zugeordnet werden können.
  • EXC4: In die Klasse EXC4 fallen alle tragenden Bauteile der Klasse EXC3 mit extremen Versagensfolgen für Mensch und Umwelt.

7. Wer legt die Ausführungsklassen (EXC) fest?

Die Festlegung der Ausführungsklasse ist Aufgabe des Bestellers. Dieser legt die Ausführungsklasse durch Tragwerkplaner unter Berücksichtigung von Behördenvorgaben fest. Gibt es keine Festlegungen, so gilt EXC 2 als vereinbart.

8. Können innerhalb eines Tragwerkes unterschiedliche Ausführungsklassen (EXC) angewendet werden?

Ja, vor allem bei größeren Bauvorhaben ist es aus Kostengründen durchaus sinnvoll Bauteile unterschiedlichen EXC zuzuordnen. Z.B. Haupttragwerke in EXC3 und untergeordnete Bauteile in EXC2.

9. Wie viel Aufwand besteht durch die Einführung einer werkseigenen Produktionskontrolle?

Die Kosten zur Vorbereitung für eine Zertifizierung hängen stark von der Vorqualifikation des Betriebes ab. Es beginnt mit der Kenntnis der Anforderungen der EN 1090 und zugehöriger Regelwerke, über die Festlegung der Abläufe, die Erststellung der Dokumentation durch detaillierte Prozessbeschreibungen, Anweisungen, Formblätter,Checklisten, etc., Qualifizierung des Personals und der Verfahren. Einführung der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) über die gesamte Prozesskette einschließlich der Unterlieferanten. Den laufenden Aufwand für die Systempflege und die Auftragsdokumentation ergibt sich gemäß internen Festlegungen.

10. Genügt ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem gemäß ISO 9001 und / oder eine Zulassung als Schweißbetrieb um den Anforderungen der EN 1090 zu erfüllen?

Nein, es sind die spezifischen Vorgaben der EN 1090 zu regeln und es ist eine eigene Zertifizierung erforderlich. Sollten beide Zertifizierungen angestrebt werden, so sollte eine notifizierte Stelle ausgewählt werden, die aus Kosteneinsparungsgründen nach beiden Normen in einer Veranstaltung prüfen.

11. Darf man in Zukunft ohne geprüfte Schweißer / Schweißaufsichtsperson tragende Schweißkonstruktionen herstellen?

Nein in EXC2, 3 und 4. Die Schweißaufsicht kann jedoch unter Einschränkungen an externe Personen untervergeben werden.
In EXC1 sind geprüfte Schweißer gefordert, jedoch keine qualifizierte Schweißaufsicht gemäß EN1090-2.

12. Wo und wann bringt man das CE-Zeichen an?

Grundsätzlich in Form von Etiketten oder Anhängern am Bauteil. Eine rückverfolgbare Kennzeichnung mit Nummernsystem und Begleitdokument ist auch möglich.

13 . Unterliegen auch Lieferanten des Herstellers der EN 1090 ?

Lieferanten unterliegen gemäß dem Recht der Vertragsfreiheit – sofern die Schutzziele nicht berührt werden – einzig und allein dem vereinbarten Liefervertrag, d.h. Statiker, Beschichter, ZfP-Prüfer, etc… benötigen keine Zertifizierung gemäß EN 1090. Hersteller müssen allerdings deren Leistungsfähigkeit bei jeder Leistungsvergabe beurteilen und unternehmen als Hersteller stets die volle Verantwortung gegenüber deren Kunden.
Das Vorhandensein eines Befähigungsnachweises betreffend Erfüllung der Vorgaben von EN 1090 durch eine notifizierte unabhängige Stelle vereinfacht dem Hersteller die Wahrnehmung seiner Sorgfaltsverpflichtung und stellt für den Lieferanten ein entsprechendes Alleinstellungsmerkmal dar.

14. Was muss der Einkauf bei Konstruktionsmaterialien beachten?

Halbzeuge müssen mit CE-Zeichen bestellt werden, sofern dafür harmonisierte Normen existieren.
Das betrifft z.B. warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen (EN 10025-1), warmgefertigte Hohlprofile (EN 10210), kaltgefertigte Hohlprofile (EN 10219), Schweißzusätze (EN 13479), HVSchrauben (EN 14399-1) und nicht vorgespannte Schraubengarnituren (EN 15048-1).

15 . Welche rechtliche Konsequenzen können bei mangelhafter Inverkehrbringung schlagend werden?

Das Produkt ist nicht gesetzeskonform in Verkehr gebracht. Dies hat sowohl zivilrechtliche als auch ggf. strafrechtliche Folgen, verbunden mit hohen Geldstrafen.

Im STRAFRECHT

  • Grobe Fahrlässigkeit bei Schadensfällen mit Verletzung von Menschen

Im ZIVILRECHT

  • Zahlungsverweigerung des Kunden
  • Zahlungsverweigerung der Versicherung bei Schadensfällen
  • Folgekosten für erforderliche Nacharbeiten
  • Vertragsstrafen durch Verzögerungen

Im BAURECHT

  • Geldbußen
  • Einstellung der Arbeiten durch die Bauaufsicht

Im WETTBEWERBSRECHT

  • kostenbewehrte Abmahnung durch Wettbewerber mit Zertifizierung

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